Erinnert Ihr Euch noch an meinen Post über Google im letzten Jahr? Gegen Ende des Videos wird berichtet, Google betreibe Forschung auf dem Gebiet der Molekularbiologie und Genetik. Neulich bin ich irgendwo zufällig auf das Unternehmen gestoßen, das von Google mitfinanziert wird: Bei 23andMe kann man für $399 seine DNA analysieren lassen.
Warum sollte man das tun?
Sucht man auf der Website herum, bieten sie einem vier Gründe an:
1. “Health and Traits”
Discover how your genes influence your health and traits. Get your data on over 90 traits and diseases, with more topics added every month.
Folgt man dem Link zur kompletten Liste, erfährt man, dass eine ernsthafte Aussage nur bei 23 der getesteten Merkmale möglich ist (darunter so nutzbringende Dinge wie die eigene Augenfarbe, die Beschaffenheit des Ohrenschmalzes und weitere Dinge, über die man sich zum großen Teil sowieso schon im Klaren sein sollte, ob man sie hat oder aufgrund der eigenen Familie zu einer Risikogruppe zählt – worauf man sich dann eigentlich individuell testen lassen könnte …). Die restlichen 68 Merkmale, die getestet werden:
give you information from research that has not yet gained enough scientific consensus [...] This research is generally based on high-quality but limited scientific evidence.
Was passiert jetzt, wenn dabei herauskommt, dass man für eine oder viele dieser Krankheiten positiv getestet wird? Lebt man dann weiter mit der diffusen Angst, dass man sie möglicherweise hat? Oder denkt man “mir kann ja nichts passieren”, wenn man negativ dafür ist? Oder hilft es einem eigentlich gar nicht wirklich weiter?
2. “Ancestry”
See your personal history through a new lens with high-resolution maternal and paternal lineage, ancestry painting, and similarity to various global populations.
Auch hier halte ich persönlich den Nutzen für sehr begrenzt.
3. “Sharing and Community”
giving you secure, simple options to share your genetic information with family and friends. See what you have in common and what makes you unique!
Myspace, facebook und der ganze restliche social web 2.0 Tralala sind ja nicht genug. Man will seine Freunde auch wissen lassen, dass man keinen Milchzucker verträgt und keinen Alkohol, ob man mal Prostata-Krebs bekommen wird und an welchen anderen erblichen Krankheiten man irgendwann zugrunde gehen wird oder könnte.
4. “Research”
gives customers the opportunity to leverage their data by contributing it to studies of genetics. With enough data, we believe we can produce revolutionary findings that will benefit us all.
Wie sieht das genauer aus?
* Take surveys that collect important data for scientific research.
* Learn new things about yourself–and what your genes may have to do with them.
* Find out which traits make you stand out from the crowd.
Mit anderen Worten: Man nimmt an Umfragen teil, in denen man ihnen noch mehr Informationen über sich und seine Lebensumstände mitteilt. Vielleicht bekommt man von ihnen dann auch etwas in der Art von “sie können nichts dafür, dass sie eine halbe Tonne wiegen, daran sind ihre Gene schuld, dagegen können sie auch nichts tun” oder “nur 5% der Menschen ihrer Altersklasse hatten ihr Geburtsgewicht” – gibt einem das das dann ein gutes Gefühl? Bringt es einem persönlich irgend etwas?
Weiter auf der Suche nach einem Grund, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.
Sehen wir uns doch mal ihre Philosophie an – sie nennen das “core values“:
we believe in the combined potential of genetics and the Internet to have a significant, positive impact
Klar, Google sammelt meine restlichen Informationen ja auch nur, um mir mein Leben schöner und bunter und angenehmer zu machen.
Weitere highlights:
“We believe that your genetic information should be controlled by you.”
Though we store and help you interpret it, your genetic information is yours to have and explore. [...] Since it is your data, it is also your option to share it as you wish with your family and friends.
Und löschen sie es auch komplett bei sich, wenn ich es von ihnen verlange? Kann ich auch von ihnen verlangen, meine Daten nicht für ihre Untersuchungen zu nutzen? *Grillenzirpen*
“We believe that the value of your genetic information will increase over time.”
Ob sie wohl meine Speichelproben aufheben, damit sie später noch weitere Tests damit machen können – je nachdem, was sich neues zum Suchen anbietet? Oder sequenzieren sie das gleich komplett? Dann haben sie auch übermorgen noch was davon!
“We encourage dialogue on the ethical, social and policy implications of personalized genetic services.”
We recognize that the availability of personal genetic information raises important issues at the nexus of ethics, law, and public policy. 23andMe is committed to fostering open dialogue with a full spectrum of stakeholders. In areas where new policies are needed to protect the public interest, we will engage directly with decision-makers to contribute our unique expertise and perspective.
Stellt sich natürlich die Frage, was man unter “public interest” versteht, denn wenn man sich andere Beispiele aus den USA ansieht, dann ist das öffentliche Interesse seltener in dem begründet, was dem Durschnittsbürger entspricht, sondern eher dem Wohl der Firmen, deren Lobbyisten so manches durchsetzen, was wohl kaum zur Verbesserung beiträgt.
“We believe in giving everyone the opportunity to contribute to improving human understanding.”
It’s fun to learn about your own genome in the light of what you know about yourself, and even more enlightening to see how your data compares to that of your family and friends. But what if you could, at the same time, contribute to science’s understanding of how genes interact with the environment to make individuals who they are?
when you send in that spit sample, you’re not only learning about yourself, you’re joining a community of motivated individuals
Da ist es wieder, dieses kuschelige web 2.0 Gefühl.
Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf ihre “policies”, denn ganz können auch sie nicht ignorieren, dass ihre Arbeit kontrovers diskutiert wird:
We believe all efforts must be made to guarantee individuals complete control over access to their genetic information.
Ob Google nicht doch noch Wege und Mittel einfallen, diese Daten für ihre Zweicke zu nutzen?
Wir dürfen gespannt sein.
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